
Von Mag. Christina Lechner
Freundlich, hell mit einigen „Farbtupfern“ und möglichst einem Blick ins Grüne. „Eine Station sollte so gestaltet sein, dass sich jeder beim Betreten willkommen fühlt“, meint DKGS Ingeborg Trondl, Stationsschwester an der Station D der I. Medizinischen Abteilung am Krankenhaus Hietzing. Die Gestaltung durch Bilder und Blumen bleibt zwar Geschmackssache, doch der wesentliche Raumbedarf ist zu berücksichtigen: „Für die Patienten sollte es Aufenthaltsmöglichkeiten außerhalb des Spitalszimmers geben – wir haben dies durch Sitzgruppen in den Gängen gelöst“, sagt Trondl. Genauso sollte jede Station neben dem Sozialraum einen eigenen Raum für interdisziplinäre Besprechungen haben, ebenso einen Platz für vertrauliche Gespräche etwa mit Angehörigen. Was die Patientenzimmer selbst anbelangt, so sollte an Raum zwischen den Betten keinesfalls gespart werden. Faustregeln für die Bettenzahl pro Zimmer gibt es allerdings keine: „Das hängt stark vom jeweiligen Fachbereich ab: An geburtshilflichen Stationen mit großem Besucherandrang sind Zwei-Bett-Zimmer sicher optimal, genauso an Kinderstationen, wo fast immer eine Begleitperson mit aufgenommen wird“, betont Mag. Petra Herzog von Solve Consulting, einem auf Spitalsplanung spezialisierten Beratungsunternehmen. Ansonsten gelte es, das gesunde Mittelmaß zwischen den Erfordernissen der Pflege und den Patientenwünschen nach Ruhe und Intimität zu finden.
Den Erfordernissen gerecht
„An Abteilungen mit Langzeitpatienten ist auch daran zu denken, ob Patienten nicht ins Freie gebracht werden können. Hier wären durchaus auch Balkone sinnvoll, an einer Akutabteilung sind sie schon wegen der kurzen Aufenthaltsdauer dagegen kaum erforderlich“, ergänzt Herzog. Als ein wesentliches Qualitätskriterium von Spitalsabteilungen erwähnt Herzog zudem die Überschaubarkeit: „Patienten und Besucher sollten sich rasch zurechtfinden, der Eingangsbereich sollte jedenfalls vom Stützpunkt aus gut einsehbar sein.“ Genügend Platz und kurze Wege erleichtern Arbeitsabläufe ebenso wie den Transport selbst von aufgerüsteten Betten (z.B. mit Beatmungsgerät). Dass Bau und Einrichtung von Krankenhausstationen sich nach dem zu erwartenden Betreuungsaufwand zu richten haben, unterstreicht auch Univ.-Doz. Dr. Alex Blaicher, Ärztlicher Direktor des Landeskrankenhauses Vöcklabruck. „Wir unterscheiden im Wesentlichen vier Cluster: Das Spektrum reicht dabei von ,Low care‘-Patienten, für die die Hotelkomponente im Vordergrund steht, über jene mit spezifischen Pflegeerfordernissen bis hin zum ,Intermediate Care-‘ und Intensivbereich.“ Arbeitsplätze, Geräte oder etwa Depots für Verbandsmaterial sind so einzurichten, dass bei Bedarf ein rasches Eingreifen möglich ist.
Bereitschaft und Akuteinsatz
Gleiches gilt auch für alle Prozesse außerhalb der reinen Bettenstationen: Handelt es sich um akute oder geplante Aufnahmen? Wann und wo ist in Spitzenzeiten mit enormem Aufwand zu rechnen? „Diese Fragen machen deutlich, dass schon der Grundriss den Abläufen entsprechen muss“, betont Blaicher.
Für eine Bestellambulanz beispielsweise genügt ein kleiner Wartebereich; an Unfall- oder Notfallambulanzen muss es genügend Raum geben, um Patientenspitzen zu puffern, genauso wie einen deklarierten Aufenthaltsbereich für das Personal, das bei hohem Andrang rasch vor Ort agieren muss, erklärt Blaicher. Bauliche Voraussetzungen sowie organisatorische Abläufe müssten sich zudem am möglichst optimalen Ressourceneinsatz orientieren.
„Dazu gehört es, Kerndienstleistungen zu bündeln“, betont Blaicher und verweist auf aktuelle Entwicklungen im OP-Bereich, wo Zentral-OPs von Fächern mit vergleichbarem Aufwand genutzt werden. „Das trifft etwa auf Urologie und Gynäkologie zu“, meint Blaicher. Solche zentralen OP-Lösungen mit angeschlossenen Aufwachzonen bzw. enger Anbindung zu Intensiveinheiten erleichtern wiederum den optimalen Einsatz hochspezialisierter Mitarbeiter. Häufig gefordert wird heute auch ein „Case-Management“ für Patienten: „Ein solches ist dann nötig, wenn der Patient verschiedene Abteilungen eines Hauses in Anspruch nimmt, etwa in der Onkologie.“ Ein Arzt muss für den Patienten immer letztverantwortlich sein und ihn durch den Prozess hinweg begleiten, betont Blaicher.
Mitarbeiterzufriedenheit
Gut durchdachte und geplante Abläufe kommen aber nicht nur den Patienten zugute, sondern sie schlagen sich auch in einer höheren Mitarbeiterzufriedenheit nieder, weiß Herzog, die Spitalsabteilungen berät. „Schon alleine das Wissen, nach dem Dienst pünktlich nach Hause gehen zu können, wirkt sich enorm positiv aus.“ Wie Herzog – wiederum am Beispiel OPManagement – verdeutlicht, können etwa Nacharbeiten bereits vom Nachtdienst erledigt werden, genauso wie die Vorbereitung für Operationen in der Früh. „Damit werden Leerzeiten und Überstunden weitgehend verhindert, die wiederum Anlass für Unzufriedenheit geben“, erklärt Herzog.
Wie sich Flexibilität in einem vorgegebenen Rahmen günstig auswirkt, de- monstriert die Visite, die nicht unbedingt im klassischen Setting stattfinden muss: „An einer Augenklinik etwa können durchaus Ordinationsvisiten gemacht werden, das heißt, der Patient kommt zum Arzt und nicht umgekehrt“, berichtet Herzog. Trondl beschreibt in diesem Zusammenhang die sogenannten „Sitzvisiten“, die an der von ihr pflegerisch geführten Station durchgeführt wird. „Dabei werden Befunde, Krankheitsverlauf sowie im Rahmen der Pflege gewonnene Beobachtungen von Vertretern aller involvierten Professionen besprochen, und jeder ist schon vor dem Weg ins Krankenzimmer auf dem gleichen Informationsstand“, sagt Trondl.
Was Patienten gar nicht schätzen, sind Doppelgleisigkeiten, etwa bei der Anamnese durch Arzt und Pflegepersonal. Ein gemeinsamer Anamnesebogen, der zunächst vom Arzt und dann von der Pflegeperson ausgefüllt wird, ist ein einfaches, aber wirksames Rezept, den Aufwand zu reduzieren und gleichzeitig den maximalen Informationsgewinn zu erzielen.
Patient im Mittelpunkt
Was die Organisation der Pflege selbst angeht, so geht auch hier der Trend weg von einem starren System in Richtung Bezugs- oder Gruppenpflege. „An unserer Station etwa ist ein Team jeweils für zwei Patientenzimmer verantwortlich, das erlaubt es wesentlich besser, auf individuelle Ansprüche der Patienten einzugehen“, sagt Trondl. Der Dienstplan wird zwar zwei Monate im Voraus erstellt, bei Krankenständen oder vermehrten Ausfällen besteht jedoch die Möglichkeit, dass Mitarbeiter von anderen Stationen einspringen – Teamwork innerhalb der Abteilung steht dabei außer Frage.
Ein weiterer Gradmesser für die Ablauforganisation einer Station oder Abteilung ist die Orientierung nach außen. Das reicht vom Schnittstellenmanagement und der Entlassungsvorbereitung bis hin zum Einbinden ehrenamtlicher Mitarbeiter Selbsthilfegruppen: Hier bieten viele bereits konkrete Unterstützung an, sei es durch allgemeine Informationen zur Krankheitsbewältigung oder in der Vorbereitung auf den Alltag zu Hause.







